Vorsteherwechsel in Northeim

Ein Hirte kennt, liebt und umsorgt seine Schafe, die Herde ist sein größter Schatz: Apostel Mutschler wählte das Bild der Hirtenliebe am Sonntag, 22. April, für den Festgottesdienst in Northeim. Anlass seines Besuchs war der Ruhestand des Gemeindevorstehers, Hirte Herfred Schwarz. Und so kamen anlässlich des Vorsteherwechsels viele Gottesdienstbesucher auch aus den umliegenden Gemeinden oder anderen Bezirken in die Kirche nach Northeim.

Dem Festgottesdienst legte Apostel Mutschler das Bibelwort Johannes 10, aus 14 zugrunde:

„Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich (...)“  

Vielleicht hätte Jesus in unserer Zeit eher von einem biologisch-dynamischen Landwirt gesprochen, der alle seine Hühner mit Namen kennt, als von einem Hirten mit seinen Schafen, so der Apostel zu Beginn seiner Predigt. Das Bibelwort war zur damaligen Zeit revolutionär. Eine persönliche Beziehung zu Gott war undenkbar, bis Jesus Christus die persönliche Beziehung zwischen Gott und den Menschen in den Mittelpunkt rückte. „Gott meint dich und mich – ganz persönlich. Er möchte mit dir eine Beziehung der Nähe, der Liebe, des Vertrauens und der Tiefe haben“, stellte der Apostel heraus und ergänzte, dass Gott trotz menschlicher Unterschiedlichkeiten jeden einzelnen aus der grauen Masse heraus geholt habe. Aus Liebe zu den Menschen ist Jesus Christus am Kreuz gestorben. Er bezeichnete sich selbst als den guten Hirten – im  Gegensatz zum damaligen „Mietling“, der eine Herde nur für einen begrenzten Zeitraum und ohne nähere Beziehung zu den Tieren gegen Geld hütete. „Jesus kennt dich: er liebt dich und er interessiert sich für dich – mit allen deinen Fehlern und Schwächen. Wir brauchen vor ihm nichts verbergen oder eine Maske tragen, denn Jesus fühlt sich in alles und in uns hinein und er verurteilt uns nicht“, so der Apostel. Und so, wie Jesus uns "kennt", soll jeder auch seinen Nächsten kennen, gab der Apostel der Gemeinde als praktische Umsetzung des Bibelwortes mit auf den Weg. Wenn jeder seinen Nächsten so kennt, wie Christus uns kennt, dann haben wir Liebe, Interesse, Wertschätzung und Toleranz für unseren Nächsten.

Bezugnehmend auf den zweiten Teil des Bibelwortes stellte der Apostel heraus, dass eine Beziehung durch Zeit, Interesse und Gemeinschaftspflege entsteht. Eine Beziehung zu Jesus Christus entsteht durch Gemeinschaft mit ihm in Wort und Gnade, aber auch in Begegnungen mit Gläubigen, in denen man die Liebe Jesu sehen kann. „Was ist denn das Ziel des Ganzen: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich? Das Ziel von all dessen ist unser neuapostolischer Glaube. Jesus Christus möchte wiederkommen als Bräutigam. Das Ziel all dessen ist, dass Braut und Bräutigam sich kennen lernen. Das Ziel ist die liebende Gemeinschaft, die Braut und Bräutigam im Himmel möglichst bald haben sollen und haben werden“, schloss Apostel Mutschler.

In seinem letzten Predigtbeitrag ging Hirte Herfred Schwarz auf die Lob- und Danklieder ein, die für diesen Festgottesdienst gewählt wurden. Mit Lob und Dank blicke auch er auf die Jahre seiner Amtstätigkeit zurück und das biblische Bild des Hirten begleitete ihn insbesondere seit seiner Ordination zum Hirten auch in der Jugendarbeit. Jesus liebt und kennt alle, das sei das Verbindende in der Gemeinde. Hirte Schwarz schloss mit einem Bibelzitat: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4–7).

Bischof Dirk Hiddessen (Hannover) stellte in seinem Predigtbeitrag die Frage, ob wohl die Schafe immer so glücklich mit ihrem Hirten seien. Schließlich gäbe es unterwegs auch sengende Sonne, Staub und manch andere Unannehmlichkeit zu ertragen. Doch der Hirte sieht schon die nächste grüne, frische Weide, beantwortete der Bischof diesen Gedanken. „Denk darüber hinaus, siehe das Große! Gott kennt uns besser, als wir selbst – er weiß, was aus dir werden kann!“ ermunterte der Bischof die Gemeinde.

Im Festgottesdienst spendete der Apostel an einem Erwachsenen das Sakrament der Heiligen Versiegelung.

In seiner Ansprache zur Ruhesetzung des Hirten zählte Apostel Mutschler die vielen Aufgaben in mehr als 44 Jahren ehrenamtlicher Amtstätigkeit auf, die der Hirte sowie unterstützend auch seine Frau und Familie mit viel persönlichem Einsatz und teils unter Gefahren für die Kirche geleistet hat:

Ordinationen in kirchliche Ämter:

  • 1973 Unterdiakon, 1978 Diakon und 1980 Priester für die Gemeinde Zeven, Bezirk Hamburg
  • 1989 nach Umzug Bestätigung als Priester für die Gemeinde Einbeck, Bezirk Göttingen
  • 1996 Evangelist und 1998 Hirte für die Region Göttingen Nord

Beauftragungen:

  • 1992 bis 2002 Gemeindeleitung und Mission in Weißrussland (Oblast Witebsk)
  • 1996 bis 2005 Jugendleiter der Region Göttingen Nord
  • Vorsteher der Gemeinden Einbeck (2003 – 2014), Northeim (2005 – 2009) und Katlenburg-Lindau (2006 – 2008)
  • 2014 – 2016 Gemeindeleitung der Region Göttingen Nord, später nur von Northeim und ab Ende 2017 bis zum Ruhestand nochmals Vorsteher der Gemeinde Northeim

Apostel Mutschler würdigte die Arbeit des Hirten, der anderthalb Jahre über die Altersgrenze hinaus ehrenamtlich für die Kirche tätig war. Er bedankte sich sehr herzlich bei ihm und seiner Frau für die geleistete Arbeit und wünschte einen überaus glücklichen Ruhestand mit dem Segen Gottes für die Zukunft.

Nach der Ruhesetzung beauftragte Apostel Mutschler den seit einigen Monaten in der Gemeinde Northeim tätigen Priester Ralf Fritzsche (Göttingen) mit der Leitung der Gemeinde. Er freue sich über das „Ja-Wort“ des Priesters im Vorfeld zu dieser neuen Aufgabe und auch über die Unterstützung durch seine Frau. Dem neuen Gemeindevorsteher gab der Apostel ein Bibelwort aus 1. Timotheus 6,11.13.14 in der Übersetzung der „Guten Nachricht“ mit für seine neue Aufgabe:

„Du aber gehörst Gott, deshalb fliehe vor allem! Jage dagegen der Gerechtigkeit nach, der Gottesfurcht, dem Glauben, der Liebe, der Geduld und der Freundlichkeit! (…) Ich befehle dir vor Gott, von dem alles Leben kommt, und vor Jesus Christus, der vor Pontius Pilatus für das gute Bekenntnis eingetreten ist: Erfülle deinen Auftrag, der dir gegeben ist, so zuverlässig, dass dich kein Tadel trifft, und bleibe darin treu, bis Jesus Christus, unser Herr, vor aller Welt in Erscheinung tritt.“

Apostel Mutschler gab dem zukünftigen Vorsteher einige Hinweise für seine zukünftige Aufgabe und wünschte ihm Gottes Segen, viel Weisheit und Kraft. Er möge alle Glaubensgeschwister der unterschiedlichen Gruppen gleichwertig versorgen, ein Friedensstifter sein und die apostolische Stimme in der Region Northeim erklingen lassen. Zuverlässigkeit und Treue mögen ihn auszeichnen. Gestärkt durch Glauben und Vertrauen solle er ohne Furcht in die Zukunft gehen.

Nach dem Gottesdienst nutzten viele Gottesdienstbesucher bei der Verabschiedung die Möglichkeit für eine kurze Begegnung mit dem in den Ruhestand verabschiedeten und dem neuen Gemeindevorsteher, um ihre Segenswünsche auszudrücken.