Ein "hemdsärmeliger" Kindergottesdienst

Am Sonntag, 15. Februar, feierten 16 Kinder aus den Gemeinden Northeim und Willershausen zusammen mit den Glaubensgeschwistern der Gemeinde Northeim einen Kindergottesdienst. Die spürbar freudige Stimmung der Kinder und der ganzen Gemeinde fielen an diesem Sonntag besonders auf. Aber auch ein ungewohnter Anblick und eine neue, kindgerechte Besprechung der Hauptpredigt werden neben dem Thema des Gottesdienstes allen Anwesenden im Gedächtnis bleiben...

Ein ungewohnter und nicht beabsichtigter Anblick Mitte Februar: Der Gemeindevorsteher, Bezirksevangelist Joachim Richter, hatte sein Sakko zuhause vergessen und hielt den Kindergottesdienst daher in „Hemdsärmeln“. Das schmälerte aber weder die Freude noch den Segen, sondern sorgte eher für ein Augenzwinkern.

Für die versammelte Gemeinde war auch die „offene Nachbesprechung“ nach der Hauptpredigt, die Priester Sören Hillebrecht (Gemeinde Göttingen) mit den Kindern durchführte, etwas Neues und Ungewöhnliches. Der Impuls im Vorfeld dazu war, den Glaubensgeschwistern diese Aufgabe näherzubringen und möglichst viele als künftige „Moderatoren“ dieser Nachbesprechungen mit den Kindern zu begeistern. Dazu gab es einige Hinweise zu den Hintergründen dieser vom Bezirksapostel ausdrücklich gewünschten Form der Arbeit für die Kinder.

Als Grundlage für den Kindergottesdienst las Bezirksevangelist Richter einige Worte aus Lukas 11, Vers 5 vor:

Lieber Freund, leih mir drei Brote.

Anhand einer zeitgemäßen und kindgerechten Erläuterung des Gleichnisses vom „bittenden Freund“ nach Lukas 11, 5 bis 8 wurden zwei Schwerpunkte herausgearbeitet:

Unsere Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen, die etwas brauchen. Das kann manchmal auch anstrengend sein, und es ist oft auch ein gewisser Widerstand – in uns selbst oder bei anderen Menschen – zu überwinden, stellte Bezirksevangelist Richter fest. Aber es lohne sich, nicht nachzulassen, denn am Ende kommt Freude für den heraus, der die Hilfe bekommt und für den, der die Hilfe gebracht hat. Ob man Kindern hilft, die nach einer Flucht aus ihrer Heimat zu uns ins Land, in die Schulklasse, in unsere Nachbarschaft kommen oder auch solchen, die in der Schule gemobbt werden, nannte der Bezirksevangelist als Beispiele. Die richtige Einstellung dabei sei, sich nicht als „stolzer Held“ in den Vordergrund zu spielen und damit zu prahlen. Dazu las Bezirksevangelist Richter in der Vorbereitung auf die Sündenvergebung und das Heilige Abendmahl ein Gedicht vor:

Helden brauchen keine Bühne; Helden wollen kein' Applaus.
Helden stehen still am Rande;
Helden gehen leis' nach Haus.
Helden tuen nicht was Großes;
Helden helfen Menschen aus.
Helden sind wie Jesus Christus:
heilen, helfen, ohn' Applaus.
(Dichter unbekannt)

Der zweite Punkt beschäftigte sich mit dem Beten und den Fürbitten. „Wir dürfen immer alles im Gebet sagen, denn Gott ist unser Freund“, stellte Bezirksevangelist Richter fest. „Aber es gibt Gebete, die Gott wohl nicht erfüllen wird: Solche, die um Erfolg und Reichtum gehen, wo wir um eine gute Note in der Schule bitten, obwohl wir nicht lernen, weil wir keine Lust dazu haben, oder auch Gebete, wo wir um Gelingen beten für Taten, die nicht Gottes Willen entsprechen“, machte er deutlich. Aber die Gebete, die aus Not, aus Glauben, aus Hilfsbereitschaft für andere dem lieben Gott vorgebracht werden, hört Gott immer. Wie Gott es schlussendlich führt, sei ihm überlassen, stellte Bezirksevangelist Richter abschließend fest.

Im Anschluss an die Nachbesprechung fasste der Bezirksevangelist nochmals die Kerngedanken zusammen und ging auf die Fragen ein: „Wie fühlen wir uns, und was machen wir, wenn wir anderen geholfen haben? Sind wir stolz darauf? Erzählen wir es überall? Sollen es alle erfahren, wie „toll“ wir sind, was wir für eine „Heldentat“ vollbracht haben?“ Alle waren sich über die Antworten schnell einig.

Die Kinder bereicherten den Kindergottesdienst unter anderem auch mit zwei sehr schönen Liedvorträgen aus dem Kinderliederbuch, die auch der Gemeinde viel Freude bereiteten.

JR, akli. / Bilder: BM